SMX: Keynote: The Future of Search in Europe
… is Bing! So viel wie der Titel verspricht, war in der Keynote leider nicht drinnen. Jordi Ribas vom Microsoft European Search Technology Centre versuchte eher die neue Suche “Bing” im Saal zu verkaufen. Es war also ein Sales Pitch, auf andere Suchmaschinen wurde nicht eingegangen, die Konkurrenz namentlich auch nicht erwähnt.
Das Ziel von Bing:
Dedicate to provide best search experience to European consumers
Hier sieht man schon den Unterschied zu Google. Google spricht von “User”, Microsoft eben von “Consumers”. Was ist der Status Quo auf dem Suchmarkt:
- 1/4 qualitativ hochwertige Suchresultate
- 42 % der Suchen brauchen search refinements
- 50 % der Zeit bei den Suchen wird bei 5 % der Suchsessions benötigt, v. a. bei transactional/informational searches
Wie will Bing die Suchqualität erhöhen, um das Ziel “best consumer search experience” zu erreichen? Und vor allem, wie können sie USP’s positionieren, um Google den Schneid abzukaufen (bzw. Marktanteile zu gewinnen)?
Ein sehr großer USP scheint das Image zu sein. Anstatt “just a white page with a logo” hat Bing jeden Tag ein neues Bild auf der Startseite, dass den Konsumenten emotional binden soll. Anscheinend haben Untersuchungen gezeigt, dass dies auch funktioniert. Was hat Google: die doodles und ein iGoogle theme, also ähnliches. Die doodles haben inzwischen sogar Kultstatus. Als USP also nicht ausreichend.
Auch wollen Sie lernen, was der Wille der User ist, welche Aufgaben diese zu bewältigen haben. Die relevanten Resultate sollen “rich”, mehr organisiert und strukturiert angezeigt werden. Das alles erinnert stark an die Universal Search von Google. Zum Beispiel sind das search boxes von Websites auf der Resultatsseite oder viele answers: snow report answer, showtime answer, attractions answer, shopping answer …
Das zeigt schon, wo der Trend hingeht: Suchmaschinen werden immer mehr zu “Answer” Maschinen. Sie wollen die User auf den Seiten halten, ihnen hier die wichtigsten Answers schon beantworten. V. a. über die Einbindung von Ciao beschwerten sich gestern viele. Google geht ähnliche Wege, pusht sehr viel eigene Produkte in die Serps. Wo ist den dort die Neutralität der Suchmaschinen geblieben? Dieser Trend ist gefährlich. Dass der Portal-Trend bei den Usern nicht gut aufgenommen wird hat man am Beispiel Yahoo gesehen, als sie ihre Marktanteile an Google verloren haben.
Was visuell bei Bing sehr gut aussieht sieht, sind die Bilder- und Videoseiten. Die Aufbereitung und Präsentation der Bilder erinnert fast an Apple. Allerdings stellen sich hierbei zwei Fragen: Sind das ein paar Beispiele, bei denen es gut funktioniert, oder wird das auch für den Long-Tail zufrieden stellend funktionieren? Und noch viel wichtiger: Wie sieht’s mit der Ladezeit aus? Wird Bing genauso schnell sein wie Google?
Das wage ich zu bezweifeln, ein Live-Demo (alles wurde auf PowerPoint präsentiert) scheiterte an der zu langsamen Internetverbindung. Ich bin mir sicher: Eine Google Suche wäre trotzdem geladen. Das Wort “Speed” fiel übrigens in der Präsentation kein einziges Mal.
FAZIT: Wenige wirkliche USP’s, die mich dazu bewegen könnten meine Standardsuchmaschine zu wechseln. Was meint ihr?


