SEO.at Sommerinterview: Marcus Tandler
Nach Frank Fuchs ist Marcus “Mediadonis” Tandler (Webseite, Twitter, XING) unser zweiter Interviewpartner. Er spricht über die SEO-Unterschiede zwischen Deutschland und den USA und verrät uns, wem er auf SEO-Konferenzen am liebsten zuhört.
Marcus, du bist seit über zehn Jahren im Bereich SEO, SMO und Affiliate-Marketing tätig. Was motiviert dich Tag für Tag?
Mir macht das Ganze einfach richtig viel Spaß, und Spaß ist und bleibt einfach die beste Motivation :) Ich liebe es sogar Sonntags um 8Uhr morgens mit einer Tasse Kaffee bewaffnet am Rechner zu sitzen – gerade morgens (ich bin absoluter Morgenmensch), kann ich es kaum erwarten meinen Rechner hochzufahren, vor allem, weil ich halt auch viel in US mache, und daher einfach ne Menge passiert, während wir hier alle schlafen.
Erinnerst du dich noch an dein erstes Affiliate-Programm? Welche Summe konntest du nach dem ersten Monat verbuchen?
Das ist eine sehr gute Frage… das müsste Amazon gewesen sein…?! Aber an irgendwelche Summen kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Umsätze sind ja sowieso nicht wirklich aussagekräftig, da es ja darauf ankommt, wieviel man zuvor investiert hat, um den entsprechenden Umsatz zu generieren. Der ROI, also der Return on Investment, ist die wichtigste Kennzahl für einen Affiliate Marketer.
Wie beurteilst du die Entwicklung des SEO-Markts in Deutschland? Gibt es nach wie vor große Unterschiede zu den USA?
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie selbst große deutsche Firmen zwar mitunter Millionen in ihre AdWords Kampagnen stecken, aber im Bereich SEO kaum zu Ausgaben bereit sind. Da wird auf übereifrige interne IT-Abteilungen, oder auf preisdumpende SEO Abzocker Buden vertraut, denn SEO „kann ja sowieso jeder“, und da der direkte Rückkanal fehlt, lassen sich Ausgaben in diesem Bereich halt schlechter verargumentieren. Es ist wirklich traurig, wenn solche Firmen nicht bereit sind in diesen so wichtigen Kanal des Online-Marketings richtig zu investieren – weil am Ende des Tages wird man, wenn richtig gemacht, dafür ja auch mit einer Menge kostenlosem Traffic aus dem organischen Index belohnt. Und da es beim SEO ja vor allem um Nachhaltigkeit geht, also nicht nur um das möglichst schnelle Erklimmen der Top 10, sondern ein gutes Ergebnis auch entsprechend über Monate bzw. Jahre zu halten, sind „Linkaufbau Strategien“, die lediglich aus dem Eintragen in Webkataloge und Social Bookmarking Sites, bzw. Backlinks aus Artikelverzeichnissen und Blog-Kommentaren bestehen, zwar billig, aber einfach nicht zukunftsträchtig!
In den U.S.A. sieht das mittlerweile schon ganz anders aus! Dort haben Unternehmen mittlerweile erkannt, dass man auch im SEO Bereich nicht einfach auf den erstbesten bzw. billigsten Dienstleister zurückgreifen sollte, und haben ihre Budgets entsprechend angepasst. Ich bin selber immer wieder erstaunt, wenn mir Freunde aus den U.S.A. ihre Konditionen für ihre SEO-Services, wie bspl. Backlinkaufbau nennen. Von solchen Budgets kann man hierzulande zumeist leider nur träumen. Obwohl man natürlich auch fair sein, und im Gegenzug erwähnen muss, dass der US-amerikanische Markt ja auch weitaus umkämpfter ist, und demnach auch entsprechend höhere Budgets benötigt werden.
Du warst schon im Google Headquarter in Mountain View. Was hat dich dort am meisten beeindruckt?
Als ich 2005 das erste Mal im Rahmen des legendären „Googledance“ auf dem Google Campus war, war ich wirklich mächtig beeindruckt! Vor allem meine erste Begegnung mit Matt Cutts, der damals ja noch „unter dem Radar“ als Googleguy im WebmasterWorld Forum aktiv war (also geoutet war er ja mittlerweile, aber bei weitem nicht so präsent wie heutzutage), war recht cool. Immerhin war er ja damals quasi die einzige Bezugsperson für Webmaster auf Seiten von Google.
Wenn du für einen Tag mit Matt Cutts tauschen könntest, was würdest du machen?
Das Search Quality Team hat ja eine Reihe von sehr lustigen und spannenden Tools – alleine mit diesen ein wenig rumzuspielen würde den Tag wohl recht kurzweilig machen :)
Auf vielen SEO- und Affiliate-Konferenzen bist du zu sehen, meist auch als Vortragender. Wem hörst du persönlich am liebsten zu?
Tolle Frage! Meine Lieblings-Speaker sind Robert rSnake Hansen, David Naylor und Greg Boser. Unterhaltsam und kurzweilig, aber auch mit stets interessanten Themen & Thesen! Gerade David Naylor verrät ja gerne mal einen wirklich coolen „Trick“, wie bspl. die Sache mit dem starken follow FlickR Link auf der A4U in London, bei dem der Verantwortliche bei Yahoo! auf einmal ganz schnell im Office anrufen musste :) Alle drei sind übrigens auch dieses Jahr wieder beim SEOktoberfest 2010 dabei!
Was nervt dich auf Konferenzen am meisten?
Schlechte Speaker, die nur auf Sales Pitch machen, oder einschläfernd langweilig sind.
Kommen wir zum Schluss noch zu einem anderen, ebenfalls wichtigen Thema: Charity. Würdest du dir etwas mehr Beteiligung, z.B. aus der deutschen SEO-Szene wünschen?
Klar, natürlich wäre es schön, wenn sich mehr Menschen, auch abseits der „SEO-Szene“ sozial engagieren, aber letztendlich kann man ja niemanden dazu zwingen, und gerade beim Thema Charity und Spenden haben die Leute zumeist sowieso immer eine Ausrede parat („Ich spende nur einmal im Jahr, aber dann richtig viel“ BlaBlaBla…). Ich versuche also vielmehr Awareness zu generieren, und Leute auf Projekte, bei denen ich mitarbeite bzw. die ich unterstütze, aufmerksam zu machen. Sich sozial engagieren heißt ja nicht, dass man besonders viel spenden, oder irgendwo mitarbeiten muss, sondern es reicht auch schon, wenn man in kleinen Situationen das Richtige tut!
Die SEO Szene kann aber auf jeden Fall stolz sein, dass durch die von ihnen mitfinanzierte Internet-Antenne im equadorianischen Dschungel, bereits ein Menschenleben gerettet werden konnte! Für genau solche Momente bin ich sehr dankbar!
Vielen Dank an Marcus Tandler für das Interview!



Danke, tolles Interview, mehr davon im Sommerloch :)
Was mich an Marcus so beeindruckt: SEO ist mittlerweile so komplex geworden, dass man oft gar nicht mehr um Spezialisierung herumkommt (siehe “Die Geschichte vom kleinen SEO” vom SEOnauten). Marcus dagegen schafft es trotzdem, sowohl als SEO wie auch im SEM/Affiliate-Marketing-Bereich national und international erfolgreich zu sein. Wow, allein davor: Hut ab!
Wow, sehr interessantes und tolles Interview. Freue mich schon auf´s nächste :). Weiter so!
Interessantes Interview!
Bis zum nächsten ;-)
Marcus Tandler auf der SEOCAMPIXX als Speaker zu hören war auch sehr lustig ;)