Leistungsschutzrecht reloaded: EU-Kommission plant Links unter Urheberrecht zu stellen

7 Kommentare

Einem von der EU-Kommission geleakten Plan zufolge, sollen Links in Zukunft unter das Leistungsschutzrecht fallen. Das Leistungsschutzrecht für deutsche Presseverleger ist im März 2013 vom Bundestag beschlossen worden. und beinhaltet die Forderung an Suchmaschinen für die Anzeige von kleinen Textausschnitten (Snippets) aus urheberrechtlich geschützen Presseerzeugnissen in den Suchergebnissen, Geld zu entrichten.

Zum Hintergrund: Die Verwertungsgesellschaft VG Media, der unter anderem auch der Axel Springer Verlag, die Funke Mediengruppe und Hubert Burda Media angehören, forderte ein Entgelt dafür, dass Suchmaschinen kleine Textausschnitte aus urheberrechtlich geschützten digitalen Presseerzeugnissen zeigen. Im Jahr 2013 beschloss der Deutsche Bundestag das Leistungsschutzrecht, welches beinhaltete, dass Suchmaschinen nur kleinste Textausschnitte und einzelne Wörter von digitalen Presseerzeugnissen kostenlos in den Suchergebnissen anzeigen dürfen, wir berichteten. Nachdem die VG Media Mitte 2014 dagegen klagte, dass Suchmaschinen wie Google die Text-Snippets, also kurze Ausschnitte der journalistischen Texte, unentgeltlich anzeigen dürfte, zeigte Google diese auch nicht mehr an. Stattdessen fand der Google-Nutzer nur noch den Titel und die URL des Artikels in den Google News. In ihrer Not wandte sich die VG Media auch an das Bundeskartellamt. Google würde durch die Auslassung der Snippets nun die Mitglieder der VG Media gegenüber ihren Wettbewerben benachteiligen. Denn hier würden die Snippets weiter angezeigt.

Da letztlich die Leserzahlen und Umsätze einbrachen, erteilte die VG Media und schließlich auch der, zuerst widerspenstige, Axel Springer Verlag Google eine „Gratiseinwilligung“.

Somit fließt zurzeit kein Geld von Suchmaschinen an die Verleger, aber das Leistungsschutzrecht ist faktisch noch aktiv. Da es unsinnig sei, forderte der Branchenverband BITKOM die Abschaffung des Gesetztes, wir berichteten.

Nun flammt das Thema erneut auf. Laut dem vom Blog „IPKAt“ geleakten internen Dokument der EU-Kommission, soll das Leistungsschutzrecht (LSR) auf Links ausgeweitet werden, Links zu urheberrechtlich geschützten Inhalten sollen somit auch unter Urheberrecht gestellt werden. Wir vermuten, dass die EU-Kommission damit das schon fast obsolete LSR reaktiveren will. Nutzer müssten, falls dieser Plan der EU-Kommission umgesetzt werden sollte, die Rechteinhaber um Erlaubnis bitten auf deren Webseiten und Inhalte zu verlinken. Damit wäre die Empfehlungskultur durch Links stark eingeschränkt – denn wer unüberlegt Links setzt, auf den würden Abmahnwellen zurollen. Und der rechtsgültige Weg würde einigen Mehraufwand bedeuten: Alleine in diesem Artikel sind 3-4 externe Quellen verlinkt. Das Internet und das dieses Konstrukt am Leben erhaltene Netz an Links wäre damit in Gefahr:

Links unter Urheberrechtsschutz zu stellen, würde das Internet, wie wir es heute kennen, bis zur Unkenntlichkeit verändern.

Quelle: Julia Reda

Artikel zu diesem Thema in der Übersicht:
Julia Reda: Leistungsschutzrecht 2.0: Die EU-Kommission rüstet zum Angriff auf den Hyperlink
Netzpolitik.org: Pläne der EU-Kommission zum Urheberrecht geleakt: Ideen für Harmonisierung und der Geist des LSR für Presseverleger
Futurezone.at: EU erwägt Genehmigungspflicht für Hyperlinks


Kommentare

  1. Das LSR auch auf links anzuwenden, wäre ja wohl komplett verrückt. Wer kommt auf so einen geistigen Müll?

  2. Kann man dieses Axel-Springer-Geschwür nicht einfach…den Göttern opfern oder was auch immer?

  3. So eine Idee kann ja wohl nur von Leuten kommen, die keine Ahnung haben? Erst der Cookie-Directive Mpll, jetzt quasi Links abschaffen… denn mal im ernst: Wer fragt denn bei jedem Link nach? Wer kann das zeitlich überhaupt leisten, selbst wenn er willens wäre? Ich für meinen Teil freue mich noch darüber, wenn jemand meine Inhalte für so sinnvoll hält, dass er sie direkt verlinkt.

  4. Als ob sich irgend einer für ihre Lügen interessiert.

  5. Ich meine, wie kommt jemand eigentlich auf die Idee, Links unter das Urheberrecht zu stellen. Eine größeren Unfug habe ich schon lange nicht gehört. Texte OK, Bilder OK, aber Links? Mit diesen Entscheidungen komme ich nicht mehr mit…

    Ich denke, die meisten User im Internet sind froh darüber, einen Link zu bekommen. Das wertet doch eine Seite auf. Damit stielt ja niemand jemandem etwas, wie beim Bild- oder texturheberrecht. Es ist ja nur ein Verweis?!

    Wie gesagt, ich komme da nicht mehr mit…

    Ronald

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  1. […] EU-Kommission plant Links unter Urheberrecht zu stellen – Julian Hoffmann von SEO.at berichtet, dass die noch das Leistungsschutzrecht befürworteten Mitglieder des EU-Parlaments den Schutz von im Internet veröffentlichten Inhalten nicht mehr nur auf einzelne Textpassagen, sondern nun auch noch auf Links anwenden wollen. Weiter… […]

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