Raphael Raue von Spiegel Online zu AMP: „Sinnvoll ist AMP vor allem im Newsbereich“

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Neben der Design-Anpassung der Google-Suchergebnisse gibt es zurzeit ein weiteres großes Thema, dass die SEO-Szene bewegt: AMP. Seit Mitte Februar zeigt Google die Artikel von News-Seiten, die mit dem Open Source AMP-Framework arbeiten, in einem gesonderten AMP-Carousel an, das wir heute noch einmal vorgestellt haben.

Von Google wird das AMP-Framework verständlicherweise stark gepusht, denn der Suchmaschinenanbieter verfolgt auch seit jeher das Ziel Informationen an seine Nutzer besonders schnell auszuliefern. Und gerade im mobilen Bereich besteht noch starkes Ausbaupotenzial. Doch nicht nur Google verfolgt das Ziel einen schnellen Informationsfluss zu gewährleisten, sondern auch die Online-Publisher. Gerade im Newsbereich spielt Schnelligkeit eine entscheidene Rolle. Doch wie setzen Publisher das Google-Framework um? Und sehen sie ein ebenso enormes Potenzial darin, wie Google selbst?

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen haben wir Raphael Raue, den Head of SEO von Spiegel Online und BENTO interviewt. Er erklärte uns in welchem Umfang Spiegel Online AMP nutzt, welche Chancen er in dem Framework sieht und ob sich schon erste Erkenntnisse im Traffic ablesen lassen.

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Seine Antworten findet ihr nun folgend:

SEO.at: In welchem Umfang nutzt ihr AMP bei Spiegel Online? Macht ihr auch ältere Artikel AMP-ready? 

Raphael Raue: Wir haben tatsächlich alle Artikel, die wir derzeit als AMP ausspielen können, auch als AMP gebaut. Durch die genaue technische Spezifikation von AMP sind das noch nicht alle Artikel auf Spiegel Online. Unser Fokus lag natürlich zunächst auf den News-Artikeln, da das News-Karussell momentan die einzige Fläche ist, für die AMP genutzt wird. Aber auch da sind wir noch nicht so weit, alle Artikel ausspielen zu können, was an der spezifischen Struktur unseres CMS zum einen liegt und zum anderen an den nicht weniger spezifischen Anforderungen der AMPs. Ungefähr 70% der Artikel auf Spiegel Online sind aber schon AMP-ready und wir arbeiten an der Umsetzung der restlichen 30%. Wir haben zudem alle alten Artikel, bei denen es möglich war, AMP-ready gemacht. Nicht, weil wir da schon jetzt große Notwendigkeit sehen, sondern weil wir testen wollen und es technisch kein Mehraufwand war.

Es ist aber nicht überall sinnvoll, AMPs einzusetzen. Das wird somit auch nicht für jeden Artikel möglich sein. AMP ist designt, um News und vor allem textlich ausgelegte Seiten so schnell wie möglich auszuliefern. Das macht bei Storytellings und großen Multimediageschichten, die auch von ihrer Opulenz leben, nur bedingt Sinn.

SEO.at: Welche Chancen für Publisher seht ihr im AMP-Framework? 

Raphael Raue: Sinnvoll ist AMP aber vor allem da, wo es um Schnelligkeit geht: im Newsbereich. Und genau da sehen wir auch die Chance von AMP. Schnell und genau zu berichten ist seit jeher der Anspruch von Spiegel Online und wenn AMPs dazu führen, die Schnelligkeit auch technisch noch weiter zu erhöhen, dann hilft uns das natürlich enorm. Aber es kommt eben auch auf den Kontext bzw. die Nutzungssituation an. Wollen sich unsere Leser nur schnell informieren, in der Bahn, an der Bushaltestelle, eben wenn sie unterwegs sind, dann ist AMP sicher die richtige Lösung. Wollen sie aber tiefer in unsere Seite einsteigen und sehen, was wir noch so alles haben, ist ein weniger restriktives und vor allem weniger auf Schnelligkeit getrimmtes Format sicher besser. Es wäre natürlich großartig, wenn wir nicht gerätespezifisch sondern nach Bandbreite ausspielen könnten. Das wäre eine Richtung, die Nutzungssituationen wirklich nah kommen würde. Aber AMP ist für jegliche mobile Nutzung ein guter Schritt in die richtige Richtung. Wie oft wartet man auf einen Artikel über den man in der Suche, auf Twitter oder Facebook gestolpert ist, und zieht das große X dann doch dem nervigen Warten vor? Da setzt AMP an und gelesen zu werden ist immer noch das wichtigste für uns Journalisten.

SEO.at: AMP ist jetzt seit mehr als einer Woche live in den SERPs. Seht ihr schon Veränderungen im Traffic über Mobilgeräte?

Raphael Raue:  Momentan hält sich die Nutzung von AMPs noch in Grenzen. Selbst Google setzt es noch nicht flächendeckend ein, es wird viel getestet und wir werden sehen, wo genau der Einsatz sinnvoll ist. Dementsprechend ist bei den AMPs auch noch nicht besonders viel Traffic vorhanden. Die Oscars waren ein erster guter Test und ich bin mir sicher, dass in Zukunft ein nicht geringer Teil der mobilen Suche auf AMPs basieren wird. Google wird sicher nicht die mobilen Serps komplett auf AMP switchen, sondern vor allem erstmal die Nutzungssituationen rund um News austesten und -reizen. Dann kann man weiterschauen.


Kommentare

  1. Bei Spiegel , Stern sowie BILD online… würde ich generell empfehlen! 😉

  2. Bei Spiegel , Stern sowie BILD online… würde ich generell diese Funktion empfehlen: noindex, nofollow 😉

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